Venne, wo willst du hin?

ELK vom 12.Februar 2021 Ausgabe Nr.1589 (Seite 4-5)

Unser Venne, landschaftlich idyllisch in den Ausläufern des Wiehengebirges gelegen, steckt augenscheinlich in einer Identitätskrise. Sind bis vor kurzem noch Menschen aufgrund der Naturnähe und des wohltuenden Kontrastes zu Großstadtlärm, zu stockendem und stauendem Verkehr, zu Luftverschmutzung und mangelnden Erholungsmöglichkeiten aus der Stadt in unsere schöne Gegend gezogen, so lässt ein kritischer Blick in die Zukunft die mittelfristige Attraktivität unseres Dorfes wohl eher fragwürdig erscheinen.

Was mit der Planung eines Gewerbegebietes nahe der örtlichen Genossenschaft den ansässigen Unternehmen die erforderliche Überlebensfähigkeit hätte erleichtern sollen, entpuppt sich nunmehr als Industriegebiet für die Produktion eines einzelnen Großunternehmens, dem an seinem Stammsitz in Rödinghausen keine weiteren Flächen für das übliche angestrebte globale Wachstum der Küchenindustrie zugesprochen wurde.

Keine Frage, eine Gelegenheit wie hier in Venne, nicht nur eine Parzelle eines Gewerbegebietes, sondern gleich die gesamte Fläche kaufen zu können, lässt sich ein derartiges Unternehmen nicht entgehen. Dies jetzt dem Unternehmen selbst anzulasten, wäre allerdings kurzsichtig.

Vielmehr muss man sich fragen, warum unsere Gemeinde, warum die Partei mit politischen Vertretern von uns Bürgen, diese Möglichkeit überhaupt zugelassen hat. An dieser Stelle steht im Raum, ob hier tatsächlich unser gemeinschaftliches Interesse vertreten wurde, ob wir Bürger überhaupt ausreichend informiert und in derart folgenschwerer Entscheidung hinreichend eingebunden waren.

NEIN, wir können die Zeit nicht zurück drehen! ABER, wir sollten uns aus der Erfahrung heraus nun umso interessierter und konstruktiv kritisch bei der weiteren Gestaltung unseres Umfeldes einbringen, um unsere noch lebenswerte Umgebung auch für die Zukunft zu erhalten. Nur so werden wir verhindern, fremdbestimmt von der weiteren Entwicklung überrascht zu werden.

Wie denken Sie über folgendes Zukunftsszenario:

Die bereits geplante Erweiterung des Gewerbegebietes auf ca. die doppelte Fläche wird derzeit erneut mit Bedarf der regionalen Gewerbetreibenden begründet. Wird die Fläche abermals nicht kleinzellig verwirklicht und mit entsprechendem Bebauungsplan geregelt, so kann sich allerdings der nächste Industriebetrieb hier ansiedeln. Kleinere ansässige Unternehmen würden u.U. wieder nicht berücksichtigt, da eine komplette Vermarktung natürlich einfacher und schneller zu realisieren ist.

Welche Auswirkung auf die Verkehrsbelastung wäre zu erwarten? Bereits allein durch die jetzige Küchenfabrik lässt sich anhand von Informationen aus deren Nachhaltigkeitsbericht von 2019 (https://www.haecker-kuechen.de/fileadmin/images/media/kataloge/nachhaltigkeitsbericht_2019_2020.pdf) folgendes abschätzen: Zu dem Zeitpunkt wurden bereits 950 Küchen pro Tag von 1000 Mitarbeitern am Stammsitz in Rödinghausen produziert. Für den Abtransport an die Küchenhändler ist dort ein hauseigener Fuhrpark von 100 Sattelschleppern im Einsatz. Die hochautomatisierte Produktion in Venne lässt bei mittelfristig geplanten knapp 450 Mitarbeitern in Produktion und eigener Logistik eine Fertigung von deutlich über 500 Küchen pro Tag vermuten, was dementsprechend schon ca. 50 Sattelschlepper allein für den täglichen Abtransport aus Venne erfordert. Selbstverständlich kommen diese 50 LKW auch noch wieder leer zurück. Weiterhin wird im Umfang der täglichen Produktion natürlich auch entsprechendes Rohmaterial von fremden LKW in Venne angeliefert werden, die dann nach löschen der Ladung auch wieder weg fahren, was den Schwerlastverkehr insgesamt vervielfachen kann. Allein die dargestellten täglichen 100 An- und 100 Abfahrten würden bei angestrebtem Zweischichtbetrieb im Durchschnitt alle 4 Minuten einen Sattelschlepper bedeuten. Allerdings wird dies kaum gleichmäßig über den Tag verteilt sein, sondern es wird stattdessen zu Stoßzeiten mit entsprechender Mehrbelastung kommen. Bleibt zu hoffen, dass der Verkehr nicht überwiegend unser Dorf durchquert, um zur Autobahn A1 zu kommen. Noch nicht berücksichtigt wurde bei dieser Überlegung der zusätzliche Berufsverkehr durch die mittelfristig vorgesehenen 450 Mitarbeiter.

Das war jetzt lediglich eine Abschätzung der Verkehrsentwicklung auf Basis der bereits vorhandenen Fabrik. Nicht auszudenken, was in unserem Szenario eine weitere Fabrik auf der geplanten Erweiterungsfläche für Auswirkungen hätte.

An diese Überlegung schließt sich direkt ein weiterer Gedanke an, der im Protokoll der Sitzung des Ortsrates Venne vom 6.6.2016 (https://ostercappeln.ris-portal.de/web/guest/sitzungen?sitzungId=2809&th_currentYear=2016&th_currentMonth=5&th_currentDay=6&th_viewMode=viewList&th_filterId=&th_filterMySitzungen=false&th_filterCustomEvents=true) auf Seite 10 unter Punkt 7 dokumentiert ist. Hier wird die Grundsatzbeschlussfassung des Gemeinderates zitiert, wonach eine Umgehungstrasse für den Ort ausdrücklich begrüßt wird.

Es gibt diesbezüglich bereits eine angedachte Trassenführung, einzusehen im Bundesverkehrswegeplan 2030. (https://www.bvwp-projekte.de/map_street.html, danach B218 im Suchfenster eingeben) Die dargestellte Trasse verläuft zwischen Ortskern und Mittellandkanal, sicherlich für nicht wenige Bürger von Venne eine zusätzliche Belastung. Insbesondere bauwillige junge Familien, man denke an das Baugebiet „Im Erlengrund“ oder auch an das projektierte Baugebiet „Tiefer Weg“, dürften starkes Interesse an einer offenen Kommunikation und der Beteiligung der Öffentlichkeit in diesem Zusammenhang haben.

Man könnte fast meinen, dass die Politik bewusst die Entwicklung Vennes zum Industriellen Schandfleck mit LKW gerechter Verkehrsanbindung zu Lasten der Einwohner in Kauf nimmt, einzig zugunsten der Finanzen der Gesamtgemeinde Ostercappeln.

Was wir Bürger uns stattdessen von unseren politischen Vertretern dringend wünschen, ist ein zukunftsfähiges Gesamt-Verkehrskonzept der Gemeinde. Und zwar so, dass es zum Beispiel mit akzeptabler Busanbindung an Osnabrück oder auch mit dem Ausbau von Radwegen etc., auch uns hier in Randbezirken wie Venne zugutekommt. Derartige Infrastruktur bereits im Vorfeld vorausschauend und ganzheitlich zu planen, muss der grundsätzliche Anspruch einer Partei sein, die den Auftrag ihrer Wähler verantwortlich vertritt.

Die dargestellten möglichen Auswirkungen sind nur wenige Aspekte in einem Zukunftsszenario, das leider nicht so fern ist, wie es scheint.

Die Frage an Sie, liebe Leser, ist: Wollen Sie das?

Wir wollen das nicht! – Unter diesem Slogan hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die aktiv und nachhaltig unsere Zukunft in Venne mitgestalten möchte und die für offene Kommunikation und Einbeziehung der Bürger bei weiteren Planungsvorhaben der Gemeinde kämpft. Bitte treten Sie mit uns, aber auch mit der Gemeinde in den Dialog.


Ein Gedanke zu “Venne, wo willst du hin?

  1. Ich bin absolut derselben Meinung.Bei noch mehr Verkehr und noch mehr Industrie wird Venne seinen dörflichen Character verlieren und dort zu wohnen,ist dann nicht mehr erstrebenswert.

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